Berlin, 14. Juli 2008 | "Gerechtigkeitskonzepte zwischen Nächstenliebe und Totalitarismus" war das Thema des Vortrages von Carlos A. Gebauer, LN-Stiftungsratsmitglied, am 14. Juli in Berlin, zu dem die Knotenpunkte Berlin, Potsdam, Dresden und auch Köln mit eingeladen hatten. Am französischen Nationalfeiertag soll es eigentlich um Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gehen, doch im Gebäude des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS), das das Büro von Erich Mielke im 'Stasi-Museum – Forschungs- und Erinnerungsstätte Normannenstraße' beherbergt, war die Zielsetzung, die Unfreiheit und das Unrecht für etwa 16 Millionen DDR-Bürger im Zeitraum von 40 langen Jahren bis 1989 nicht zu vergessen.
In Berlin ist die DDR-Geschichte und besonders die des Unrechts-Regimes noch sehr präsent, man muss nur hinschauen wollen. Viele Menschen, die den DDR Sozialismus als totalitäres, menschenverachtendes System am eigenen Leib erlebt haben, kämpfen gegen das Vergessen und gegen die Schönfarbei einer Ostalgie ohne Reflektion.
Stasi-Museum
Am Ort des Vortrages von Carlos A. Gebauer engagieren sich einige tapfere Streiter gegen das Vergessen ehrenamtlich im Stasi-Museum in der Ruschestraße 103/Haus 1 in 10365 Berlin-Lichtenberg. Dort ist zugleich die Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße. Das Museum befindet sich im Haus 1 des zentralen Komplexes des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS), in dem auch Erich Mielke, der letzte amtierende Minister für Staatssicherheit, seinen Sitz hatte.
Der Trägerverein des Stasi-Museum - Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße konstituierte sich vor 18 Jahren im Sommer 1990 als Verein "Antistalinistische Aktion Berlin Normannenstraße" (ASTAK e.V.) und übernahm die Trägerschaft der am 7. November im Haus 1 des MfS-Gebäudekomplexes eröffneten Forschungs- und Gedenkstätte. Der Trägerverein wird finanziell gefördert vom Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und die Stiftung Aufarbeitung.
Mitglieder des Trägervereins kamen vor allem aus dem "Bürgerkomitee Normannenstraße". Hinzu stießen auch frühere DDR-Bürgerrechtler, die wegen ihrer oppositionellen Tätigkeit (Prager Frühling, Biermann-Ausweisung, Friedens- und Umweltbewegung u.a.) inhaftiert waren und nach ihrem Freikauf durch die Bundesregierung mit einem Einreiseverbot in die DDR belegt worden waren.
Das Büro des Ministers für Staatssicherheit der DDR
 Von hier aus befehligte der letzte Minister Erich Mielke bis 1989 das Ministerium für Staatssicherheit. Neben Mielkes Dienst- und Arbeitszimmer inklusive des Sekretariats und dem nach seinen eigenen Wünschen eingerichteten privatem Bereich sind im Stasi-Museum die Büroräume seiner persönlichen Untergebenen und engsten Mitarbeiter sowie der große Konferenzsaal mit angeschlossenem Kasino zu besichtigen. Nach der Erstürmung des Geländes am 15. Januar 1990 wurden die Räume versiegelt und konnten im Originalzustand erhalten werden.
In den Ausstellungsräumen zu der Tätigkeit der Staatssicherheit, zu unterschiedlichen Aspekten des politischen Systems und zu Widerstand und Opposition in der DDR sind die Felder Operativtechnik des MfS, Traditionsarbeit im MfS, Widerstand und Opposition, Sonderausstellung: Dissens und Nonkonformismus und die letzten Jahre der DDR sehr anschaulich dokumentiert.

Mit dem Vorstandsvorsitzenden des Trägervereins des Museums, Bernd Lippmann, dem ehemaligen DDR-Oppositionellen, der heute als Lehrer für Naturwissenschaften und Philosophie beim Land Berlin Dienst tut und im Ehrenamt den Vorsitz der ASTAK inne hat, konnten die Liberalen Netzwerker im Nachgang zum Vortragsveranstaltung lange sprechen. Das Dilemma der Selbstrechtfertigung ehemaliger Stasi-Bediensteter und die politisch sich selbst freisprechende Vergangenheitsaufarbeitung in eigener Regie durch die vom Verfassungsschutz beobachteten (Verfassungsschutzbericht 2007, Seite 134-141) so genannten Partei DIE LINKE und das wenige, was unsere freie Gesellschaft an Aufmerksamkeit und Bewusstsein dagegen hält, sind die Realitäten, die den Kampf gegen das Vergessen auf unbestimmt Zeit erfordern.
Die Internetseite Stasiopfer.com zum Thema MfS beginnt mit dem Ausspruch von Johann Gottfried Seume (1763-1810):
"Ein Glück für die Despoten, daß die eine Hälfte der Menschen nicht denkt und die andere nicht fühlt".
Jeder, der das Stasi-Museum besucht, kommt ins Nachdenken und ins Nachfühlen.
(Hintergrundinformationen: Stasi-Museum.de, Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik) |