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Barack Obama und Europa - Was wir von dem US-Präsidenten zu erwarten haben

Zu einer hochkarätig besetzten Gesprächsrunde hatte das Liberale Netzwerk Düsseldorf am 11. November, gut eine Woche nach der Präsidentenwahl in den USA, geladen. Das Thema des Abends, "Der neue US-Präsident und Europa", zog mehr als 300 Besucher an. Für Spannung sorgten zwei gleichermaßen kompetente und erfahrene Beobachter: John Kornblum, ehemaliger US-Botschafter in Deutschland und Gunter Pleuger, Gerhard Schröders Vertreter bei den Vereinten Nationen. Die Gesprächsleitung hatte ein ebenso intimer Kenner der amerikanischen Politikszene übernommen: Eberhard Piltz, ehemals Leiter des ZDF-Studios in Washington.

In der Obama-Euphorie aufgekommene Hoffnungen auf einen Honey Moon in den transatlantischen Beziehungen dämpfte Kornblum unter Hinweis auf die Kontinuität in der amerikanischen Außenpolitik. Zwar würde der neue Mann im Weißen Haus sicherlich konsensorientierter als sein Vorgänger Bush auf die Europäer zugehen und der Wahrung der Menschenrechte mehr Aufmerksamkeit widmen. Doch gab der ehemalige US-Diplomat zu bedenken, dass die (im Vergleich zu den USA) bescheidenen Rüstungsaufwendungen Europas Einfluss in Grenzen halten. Obama gehe sachorientiert an Probleme heran und könne auch unangenehm werden, wenn es sein muss. In Europa habe man überdies noch viel zu wenig wahrgenommen, dass sich die amerikanische Bevölkerung derzeit dramatisch verändere. Die in der Vergangenheit emotional eng mit Europa verbundene Gesellschaft würden dabei schon bald von Asiaten und Latinos majorisiert. Auf die Frage, ob Europas Hoffnungen nicht zwangsläufig enttäuscht würden, gab der Ex-Botschafter lakonisch zurück: "Nur wenn es die falschen Hoffnungen sind".

Demgegenüber warnte Gunter Pleuger davor, wie das Kaninchen ängstlich auf die Schlange zu starren und zu fragen, was der neue Mann im Weißen Haus denn von uns fordern werde. Vielmehr sollten die Europäer mit eigenen Ideen auf die neue Regierung in Washington zugehen und beispielsweise über den überfälligen Strategiewechsel in Afghanistan einen Dialog beginnen. Berlins ehemaliger UN-Botschafter sagte im übrigen voraus, dass Obama angesichts der riesigen Probleme seines Landes auch viele der hochgesteckten Erwartungen seiner eigenen Bevölkerung zunächst nicht erfüllen kann. Einig waren sich beide Disputanten in der persönlichen Einschätzung des neuen Präsidenten. Der von seinen republikanischen Gegnern als unerfahren geschmähte Obama habe im Wahlkampf nicht den geringsten Fehler gemacht und habe mit seine charismatischen Ausstrahlung und seiner Ernsthaftigkeit das Zeug, ein großer Präsident zu werden. McCain, so John Kornblum, "hat nie eine Chance gehabt".

Berichterstattung
Hans Otto Eglau, Liberales Netzwerk Düsseldorf

(Bildquelle: Barack Obama.com)

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