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Josef Ackermann beim Liberalen Netzwerk Düsseldorf

Stolz, ohne Staats-Milliarden die Krise zu meistern

Idealere Bedingungen für ihre Veranstaltung hätten sich die Initiatoren des Liberalen Netzwerks Düsseldorf nicht wünschen können: Mit über 500 Besuchern war der große Saal der E.ON AG Konzernzentrale am 29. April übervoll. Viele, die sich noch in den letzten Tagen nach Anmeldeschluss hatten anmelden wollen, konnten aus Kapazitätsgründen nicht mehr kommen. Thema und Gast hatten es auch in sich: "Lehren aus der Finanzkrise – müssen die Banken sich neu erfinden?" hieß das Thema der vom Fernsehsender Phoenix übertragenen Veranstaltung. Und im Mittelpunkt stand Josef Ackermann, der im Mittelpunkt der Banker-Schelte stehende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, im Gespräch mit Hans D. Barbier, Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung.

Ackermann räumte ein, dass man den Flächenbrand der weltweiten Finanzkrise in seiner Dramatik nicht vorhergesehen habe. Zwar habe man die Fehlentwicklungen auf dem amerikanischen Immobilienmarkt im Blick gehabt, aber die Auswirkungen auf die internationalen Finanzmärkte für beherrschbar gehalten. Dass sich diese Erwartung als trügerisch erwies, habe mit der starken geschäftlichen Vernetzung der globalen Finanzindustrie zu tun. Diese habe dazu geführt, dass man selbst mittlere Institute nicht habe Pleite gehen lassen, weil davon systembedrohende Schockwellen auf andere Institute zu befürchten gewesen wären. Zwar verteidigte Ackermann deshalb auch die staatlichen Rettungsaktionen zugunsten gefährdeter Banken, mahnte aber gleichzeitig in einem "Schritt zwei" für die Zukunft strukturelle Veränderungen im Bankensystem an. Es könne nicht sein, dass sich die nur durch Staatsgelder künstlich am Leben gehaltenen Konkurrenten schon in wenigen Jahren als möglicherweise gestärkte Konkurrenten zurück meldeten, so als wäre nichts geschehen.

Einmal mehr bekannte sich der Schweizer Bankmanager zu seiner in der Öffentlichkeit heftig diskutierten Aussage, dass es ihn mit Stolz erfülle, ohne staatliche Hilfe durch die schwerste Krise zu kommen. "Solange man es selbst schafft, ohne den Staat auszukommen, sollte man es tun.“ Eine solche Einstellung motiviere im übrigen auch die Mitarbeiter" – Musik in den Ohren von Liberalen! Allerdings werde die Frage, wie wir aus der Bankenkrise wieder herauskommen, in unserem Lande noch gar nicht diskutiert.

Entschieden wehrte sich Ackermann gegen den aus der Politik erhobenen Vorwurf, Auslöser der Krise sei die Gier der Manager und damit ein moralisches Fehlverhalten. Denjenigen, die schon Profitstreben als verwerflich ablehnten, hielt der entgegen, dass die Erzielung möglichst hoher Gewinne zum Kern der Marktwirtschaft gehöre und Wachstum und Wohlstand dienten. Gleichwohl machte sich Ackermann, der auch Präsident der internationalen Bankenvereinigung ist, zum Fürsprecher schärferer Regeln zur Überwachung der globalen Finanzmärkte. Neu erfinden, so das Fazit des Abends, müssten und sollten sich die Banken nicht – doch weitermachen wie bisher dürfe man, nachdem man das Gröbste überstanden habe, auch nicht.

Berichterstatter: Hans Otto Eglau, Liberales Netzwerk Düsseldorf

(Bildquelle: Deutsche Bank.de)

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