Der Knotenpunkt Bielefeld der Stiftung Liberales Netzwerk, Dr. Florian Böllhoff, Prof. Dr. Rudolf Prinz zur Lippe, Alexandra Oetker und Prof. Dr. Bernhard von Schubert laden herzlich zu einem Vortrag mit Diskussion und anschließendem Imbiss ein.
THEMA: "Hat Bildung noch eine Zukunft?"
Dr. Konrad Schily, Mitglied des Deutschen Bundestages, Gründungspräsident der Privatuniversität Witten/Herdecke, wird vortragen (Bild links).
Moderieren wird Prof. Dr. Bernhard von Schubert, Fachhochschule (FHM), Bielefeld.
ORT: Bielefeld, Ravensberger Spinnerei, Ravensberger Park, 33602 Bielefeld
TERMIN: Dienstag, 20. Juni 2006/18:30 Uhr.
Um Anmeldung bis spätestens 09. Juni 2006 wird gebeten.
Kontakt: Stiftung Liberales Netzwerk / Knotenpunkt Bielefeld Frau Dr. Rita Ahlers, Büro Professor Bernhard von Schubert c/o Gundlach Holding GmbH & Co. KG Postfach 10 02 43 33595 Bielefeld
Tel: (0521) 595-314, Fax -320 E-Mail: bielefeld(at)liberalesnetzwerk.de
Kostenbeitrag (zu zahlen an der Abendkasse) pro Person ¬ 5,- , Schüler, Studenten und Presse frei. Parkplätze stehen u.a. im Parkhaus Hermann-Delius-Straße zur Verfügung.
V I T A Dr. med. Konrad Schily, geboren am 7.11.1937 in Bochum
 rechts, Konrad Schily (FDP) mit seinem älteren Bruder Otto Schily (SPD), links
Studium / beruflicher Werdegang: 1957 Abitur in Wuppertal 1957 1964 Studium der Medizin in Tübingen und Hamburg 1964 1966 Medizinalassistent 1966 Promotion zum Dr. med. 1966 1969 Assistenzarzt Universität Tübingen 1969 Betriebsbeginn Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke; hier Klinische Chemie, später Neurologie und Psychiatrie 1966 1984 Vorstand Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke 1982 - 1999 Gründung Universität Witten/Herdecke, hier Vorstandsvorsitzender im Universitätsverein von 1981-1988; nach Umfirmierung in GmbH Präsident der UWH bis Oktober 1999. 10/1999 05/2002 Stellvertretender Vorsitzender des Direktoriums (Gesellschafterversammlung) der Universität Witten/Herdecke 05/2002 12/2003 erneut Präsident der Universität Witten/Herdecke Seit 01/2004 Ehrenvorsitzender des Direktoriums der Universität Witten/Herdecke 11/1999 03/2004 Leiter der Initiative Campus Europae (März 2004 Gründung der Stiftung Campus Europae in Luxemburg.
Politische Laufbahn: Von 1973 bis 1990 Mitglied der SPD Seit 2003 Mitarbeit im Innovativkreis NRW liberal Seit 2005 Mitglied der FDP MdB seit 2005 Landesliste Nordrhein-Westfalen Wahlkreis 140: Hattingen, Herdecke, Sprockhövel, Wetter, Witten
Ausführlicher Lebenslauf: Ich bin ein typisches Kind des Ruhrgebietes. Meine Eltern zogen 1926 nach Bochum, wo ich als fünftes und jüngstes Kind 1937 geboren wurde. Studienzeit Nach dem Abitur in Wuppertal studierte ich ein Semester lang in Basel. Es war eine Art Vorsemester, bei dem Philosophen Carl Jaspers, dem bekannten Zoologen Adolf Portmann und bei dem ebenso bekannten Theologen Karl Barth Vorlesungen zu hören. Mein Medizinstudium begann ich dann im Herbst 1957 in Tübingen, war zwischendurch zum Physikum an der Universität Hamburg und schloss mein Studium mit dem Staatsexamen 1964 in Tübingen ab.
Gründung des Gemeinschaftskrankenhauses in Herdecke Schon während des Studiums stritt ich mit den Professoren um eine bessere Art der Ausbildung. Das Studium schien mir zu abstrakt und zu praxisfern. Ich war in vielen gesellschaftlichen Gruppen unterwegs, verband mich dann aber konkret mit einer Ärztegruppe, aus der heraus später (1969) das Gemeinschaftskrankenhaus in Herdecke gegründet wurde. Unser Ideal war es, die überkommene hierarchische Struktur in den Krankenhäusern zu erneuern und auch im Krankenhaus die so genannten alternativen Heilmethoden (Homöopathie, anthroposophische Medizin, Akupunktur und anderes) zu erproben. Bei den Kollegen brachte uns das nicht nur Freunde ein. Die Patienten aber nahmen das Krankenhaus gut an. Wir hatten auch mit anderen alten Zöpfen gebrochen, z.B. damit, dass die Kinder sofort nach der Geburt von den Müttern zu trennen seien. Wir hoben diesen Unsinn wieder auf, was zu einem starken Anstieg der Geburtenrate in unserem Hause führte. Da man damals schon gerne Englisch gesprochen hat, setzte sich dieses System als so genanntes Rooming-In auch in anderen Häusern sehr rasch durch. Ich war schon vor der Eröffnung in den Vorstand des Trägervereins gewählt worden, und als bei der Eröffnung des Krankenhauses viel Presse da war, schoben meine Kollegen mich vor das Mikrofon& Seitdem war ich der Pressesprecher des Vorstandes. Im Krankenhaus war ich zunächst zuständig für die klinische Labordiagnostik und bildete mich in den Folgejahren zum Arzt für Neurologie und Psychologie weiter.
Gründung der freien Universität Witten/Herdecke Meinen alten Traum, die ärztliche Ausbildung zu erneuern, hatte ich nicht vergessen. Zusammen mit Dr. Gerhard Kienle, dem eigentlichen Gründer des Gemeinschaftskrankenhauses, überlegten wir viele Möglichkeiten, uns an der ärztlichen Ausbildung zu beteiligen. Eine Chance schien sich zu ergeben, als Studenten der Medizin aus Essen das Gemeinschaftskrankenhaus als akademisches Lehrkrankenhaus vorschlugen. Die Professoren der Fakultät aber lehnten diesen Vorschlag ab. Und damit war es klar: Wir mussten selbst eine Universität beantragen, eine neue eigenständige Ausbildung aufbauen. Natürlich hatte ich vorher mit vielen Professoren Kontakt, die jeweils versucht hatten, in ihren Universitäten Neuerungen durchzusetzen, damit aber sämtlich gescheitert waren. Ein Neuanfang musste also gemacht werden. Nach vielen vorbereitenden Konferenzen, in der der Entwurf einer neuen Universität erarbeitet worden war, gründete ich zusammen mit Gerhard Kienle und anderen 1981 den Universitätsverein Witten Herdecke. Wenig später informierte ich den damaligen Wissenschaftsminister des Landes NRW über unsere Absicht, den Antrag auf Annerkennung der in Gründung befindlichen Universität Witten/Herdecke bei ihm zu stellen. Der Minister war ungläubig, das Unterfangen schien ihm zu gewagt. Im März 1981 stellten wir dann den Antrag. Nach einem langen Verfahren und auch öffentlichen Auseinandersetzungen wurde der Antrag auf Annerkennung der Universität Witten/Herdecke im Juli 1982 genehmigt. Die damit verbunden Auflagen machten es der Universität nicht leicht: Da wir privat waren, wurde die Unterstützung mit öffentlichen Geldern ausgeschlossen. Aber die Universität musste zusagen, keine Studiengebühren erheben zu wollen, und da man nicht wusste, woher jetzt das Geld noch kommen sollte, hatte die Universität eine Bankbürgschaft über 17 Millionen DM beizubringen.
Wir haben das alles geschafft. 1983 wurden die ersten Medizinstudenten aufgenommen, 1984 die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät eröffnet, 1985 die zahnmedizinische Fakultät. Ebenfalls 1985 begann der Aufbau der naturwissenschaftlichen Fakultät, der 1996 beendet wurde.
Mit als erstes hatten wir zudem zusätzlich zu den Fakultäten das Institut für das Studium fundamentale eingerichtet (eine Besonderheit der Universität), die der Erweiterung des Horizonts, der Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden dient.
Die Universität Witten/Herdecke als Erfolgsmodell Die Universität steht noch heute für praxisnahe und praxisgerechte Ausbildung, für ein selbstbestimmtes Studium und eine große Auslandsorientierung der Studierenden.
1989 kam es zu einem Vertragsabschluss zwischen der Bertelsmann Stiftung (Reinhard Mohn), dem Land NRW und der Universität Witten / Herdecke hinsichtlich des weiteren Aufbaus der Universität Witten / Herdecke. Die Bertelsmann Stiftung verpflichtet sich, in den kommenden 5 Jahren jeweils 5 Millionen DM für den Budgetbereich der Universität beizutragen, das Land bewilligte 25 Millionen DM für den investiven Bereich der Universität.
Nachdem die Universität Witten / Herdecke, auf Empfehlung des Wissenschaftsrates, 1990 in das Hochschulverzeichnis der BRD aufgenommen worden war, konnte der Landesbeitrag um weitere 25 Millionen DM aufgestockt werden. Nach einjähriger Planungszeit zwischen Studierenden und Professoren der Universität und Architekten wurden der Neubau und die Umbauten in der Naturwissenschaft in 18 Monaten bewältigt (Eröffnung des Neubaus im September 1993).
1994-95 konnte sich die Universität nach langen Verhandlungen von den Auflagen lösen, die bei der Annerkennung gemacht worden waren. Das Land erklärte sich dazu bereit, nachdem Abgeordnete der verschieden Fraktionen sich davon überzeugt hatten, dass die Ausbildung in Witten / Herdecke exzellent und ungleich kostengünstiger ist, als an den vergleichbaren staatlichen Einrichtungen. Der Kreativität der Studierenden ist es zu danken, dass die Universität ein Modell der Kostenbeiträge entwickelt hat, das noch heute als modellhaft bezeichnet werden kann. (Studierendengesellschaft e. V.)
1999, nach fast 20 Jahren Aufbauarbeit, übertrug ich mein Amt an Prof. Dr. Zimmerli, übernahm das Amt des Präsidenten aber wieder, als Prof. Zimmerli im Mai 2002 den Ruf als Gründungsrektor an die AutoUniversität in Wolfsburg annahm. Zum Jahresende 2003 bin ich erneut ausgeschieden und seither Mitglied im Direktorium und dessen Ehrenvorsitzender.
Soziale Aspekte der Universität Witten/Herdecke Ich war sehr gerne Arzt, aber 1984 waren die Tätigkeiten als Verantwortlicher für die Gründung und für den Aufbau der Universität und der ärztliche Beruf nicht mehr zu vereinbaren. Umso glücklicher war ich, dass ich dem Bereich der Musiktherapie, speziell Nordoff/Robbins-Therapie, für die ich bereits 1978 einen Studiengang aufgebaut hatte, in Zusammenarbeit zwischen der Musikhochschule Aachen und dem Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke als Ausbildungsgang in die Universität mitnehmen konnte. Viele behinderte Kinder, besonders autistische Kinder, haben dadurch eine neue Lebensqualität gewonnen. Inzwischen hat diese Therapie in viele deutsche Kliniken und in die verschiedensten Fachdisziplinen hinein Einzug gehalten. Das Musiktherapeutische Institut der Universität Witten/Herdecke hat sich inzwischen zu einem weltweit führenden Zentrum, insbesondere in der Forschung, entwickelt. Die Universität als Wirtschaftsfaktor der Region Ich bin auch glücklich darüber, dass sich die Universität mit ihren über 400 direkten Arbeitsplätzen, ihren 1200 Studienplätzen und weiteren 200 Arbeitsplätzen in angeschlossenen Einrichtungen zu einem Motor für Witten und für die Region entwickelt hat.
Politik In den letzten 35 Jahren habe ich mit anderen versucht, neue zeitgerechte Formen für unser Land und für unsere Region zu entwickeln. Ich habe die Schwierigkeiten und das notwendige Beharrungsvermögen dabei von Grund auf kennen lernen müssen. So lag es nahe, dass ich diesem Anliegen jetzt von der politischen Seite her zum Erfolg verhelfen möchte und der Schritt, in der FDP nicht mehr nur zu beraten, sondern mich aktiv zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen, ist für mich völlig konsequent ...
Hintergrundinformationen: http://www.konrad-schily.de/ http://www.bundestag.de/mdb/bio/S/schilko0.html http://www.uni-wh.de/ |