Berlin, 19. Mai 2006 - Der Detlev-Rohwedder-Preis "Deregulierung in der Sozialen Marktwirtschaft" des Wirtschaftspolitischen Club Deutschland e.V. wurde an Prof. Dr. Dr. h.c. Bert Rürup verliehen. Die Laudatio hielt der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU). In der Landesvertretung Hessen fand die feierliche Preis-Verleihung mit nahezu 100 Gästen aus Wirtschaft, Politik und dem öffentlichen Leben statt.

Prof. Dr. Bert Rürup (links)
Dr. Hergard Rohwedder (Mitte)
MP Roland Koch (rechts)
Die Konzentration staatlicher Aktivitäten auf die zukunftsorientierte Gestaltung wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen und weniger Regulierung im einzelnen sind in der Sozialen Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland vordringlich zu lösende Aufgaben in jeder vernünftigen Wirtschaftspolitik. Aus diesem Grund vergibt der Wirtschaftspolitische Club Deutschland e.V. den Detlev-Rohwedder-Preis "Deregulierung in der Sozialen Marktwirtschaft" an Persönlichkeiten, die auf diesem Feld Herausragendes geleistet haben.
Der Namensgeber des Preises, Dr. Detlev Carsten Rohwedder, der Ehemann von Frau Dr. Hergard Rohwedder, der Initiatorin und Mitbegründerin des Liberalen Netzwerkes, hat sich in vorbildlicher Weise für die Idee der Sozialen Marktwirtschaft eingesetzt. Detlev Carsten Rohwedder hat Hervorragendes geleistet, um nach der Vereinigung Deutschlands die Staatswirtschaft im Osten Deutschlands durch die Soziale Marktwirtschaft abzulösen.
Der Wirtschaftspolitische Club Deutschland engagiert sich für die Weiterentwicklung der "Sozialen Marktwirtschaft" in Deutschland im Geiste Ludwig Erhards und der Freiburger Schule zu einer sozial und ökologisch verpflichteten, nachhaltigen Marktwirtschaft für den europäischen Lebensraum. Als Preisträger kommen Persönlichkeiten in Frage, die Erfolge auf einem oder mehreren der folgenden Arbeistfelder haben: - Weniger und dadurch stärkerer Staat - Deregulierung - Rückzug des Staates aus wirtschaftlicher Betätigung - zukunftsorientierte Neugestaltung von Wirtschaftsprozessen.
Die bisherigen Preisträger waren:
1999 Dr. h.c. Lothar Späth, Ministerpräsident a.D.
2000 Prof. Karel Miert, ehem. EU-Wettbewerbskommissar und Staatsminister des Königreiches Belgien
2003 Vicente Fox, Präsident der Vereinigten Mexikanischen Staaten
2006 Prof. Dr. Dr. h.c. Bert Rürup, Inhaber des Lehrstuhls für Finanzen und Wirtschaftspolitik an der Technische Universität Darmstadt, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.
NAMENSGEBERS DES PREISES - BIOGRAFIE:
Detlev Carsten Rohwedder wurde am 16. Oktober 1932 in Gotha/Thüringen geboren. Er studierte Jura und promovierte. Dr. jur. Rohwedder war von 1969 bis 1978 Politiker und Staatssekretär in Bonn, er war seit 1971 Mitglied der SPD und Träger des Bundesverdienstkreuzes. 1979 wurde er an die Spitze des Dortmunder Stahlkonzerns Hoesch berufen. Dort betrieb er erfolgreich die Loslösung des Hoesch-Konzerns von dem niederländischen Stahlproduzenten Hoogovens, zu dem Hoesch seit 1973 gehörte. Er brachte ein wegweisendes Konzept für den Fortbestand des Hoesch-Konzerns auf den Weg und wurde 1983 dafür zum "Manager des Jahres" gewählt. 1989 erwarb der Krupp-Konzern die Anteilsmehrheit an Hoesch.
Dr. Detlev Rohwedder wurde im August 1990 vom Ministerrat der DDR zum Vorsitzenden der Treuhandanstalt bestimmt. Seine Aufgabe war die Privatisierung des Vermögens der Volkseigenen Betriebe der DDR. Auf einer USA-Reise zu Investoren stießen seine sozial verträglichen Privatisierungspläne auf einiges Unverständnis. Dr. Rohwedder gehörte zu den wenigen Spitzenmanagern der deutschen Wirtschaft, die auch in der Politik Karriere machten. Im Juli 1990, nach der Währungsunion der DDR mit der Bundesrepublik, wurde er Verwaltungsratsvorsitzender und kurz darauf Präsident der neu gegründeten Treuhandanstalt. Er setzte mit durch, dass die Privatisierung der maroden DDR-Wirtschaft als Weg der Sanierung beschritten wurde und die Volkseigenen Betriebe der DDR in Privatbesitz zu überführen. Am Ostermontag, 01. April 1991 wird Detlev Carsten Rohwedder in seinem Düsseldorfer Privathaus Opfer eines Attentats, das der Rote-Armee-Fraktion zugeschrieben wird. Der Familienvater Detlev Rohwedder hatte mit seiner nun verwitweten Ehefrau Dr. Hergard Rohwedder zwei Kinder.
Ein Ehrenplatz in der Geschichte der deutschen Nachkriegswirtschaft.
Die Hall of Fame ist eine symbolische Ruhmeshalle für Frauen und Männer, die sich um die deutsche Wirtschaft verdient gemacht haben. Die Institution (Motto: "Gegen Mutlosigkeit und Mittelmaß") wurde 1992 vom manager magazin gegründet. Sie zählt heute im Jahr 2006 43 prominente Mitglieder: Unternehmer, Manager, Gewerkschaftsführer und Politiker, die sich um die deutsche Wirtschaft verdient gemacht haben. Mitglieder sind unter anderem Josef Neckermann (Neckermann-Versand), Reinhard Mohn (Bertelsmann), Berthold Beitz (Krupp) sowie die früheren Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und Karl Schiller. Jedes Jahr benennt eine Jury zwei neue Laureaten. 1996 wurde Detlev Rohwedder posthum diese Ehre zuteil. Im Bonner "Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland", dem renommiertesten deutschen Museum der Zeitgeschichte, hat die Hall of Fame einen Ehrenplatz. Dort sind in eine Kupfertafel die Signaturen der Laureaten graviert; Videos vermitteln Eindrücke ihres Lebenswerks.
Der ehemalige Sitz der Treuhandanstalt in der Berliner Wilhelmstraße erhielt den Namen Detlev-Rohwedder-Haus. Im heute vom Bundesfinanzministerium genutzten Gebäude erinnert eine Gedenktafel an sein Wirken als Präsident der Treuhandanstalt.
Bundespräsident Johannes Rau würdigte 2001 anlässlich einer Gedenkfeier das Lebenswerk Detlev Rohwedders, "er habe sich um Deutschland verdient gemacht". Rohwedder habe mit der Aufgabe, die DDR-Wirtschaft zu sanieren, eine Herkulesarbeit übernommen.
Der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) sagte, Rohwedder habe mit seiner Arbeit an der Spitze der Treuhandanstalt ein solides Fundament für den wirtschaftlichen Aufbau in den neuen Bundesländern gelegt. "Die DDR stand 1989 vor dem Bankrott, politisch und wirtschaftlich." Rohwedders Schicksal sei "in tragischer Weise mit der Geschichte unseres Landes verknüpft".
Auch der frühere Finanzminister Theo Waigel (CSU) würdigte die Arbeit des ermordeten Spitzenmanagers mit den Worten, die von ihm auf den Weg gebrachte Transformation einer ganzen Volkswirtschaft in ein neues System sei historisch ohne Vorbild gewesen. Rohwedder, den Waigel als einen deutschen Patrioten mit preußischem Pflichtbewusstsein bezeichnete, habe "entscheidend zum Gelingen der ökonomischen Wiedervereinigung beigetragen", sagte der CSU-Politiker.
Der frühere Fraktionsvorsitzende der SPD in der frei gewählten DDR-Volkskammer, Richard Schröder, sagte, Rohwedder habe 1990 eine "geradezu unmögliche Aufgabe" übernommen. Es sei der schwierigste Job gewesen, den die deutsche Wirtschaft zu der Zeit zu vergeben hatte.
(von Dirk Hamel, SLN)

Hintergrundinformationen: http://www.wpcdeutschland.de/flash/wpc.html
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