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Wie frei fühlen Sie sich?

Freiheit in Deutschland Wie frei fühlen Sie sich? Am 1. September 2004 startet der Knotenpunkt Berlin der Stiftung Liberales Netzwerk eine publizistische Serie unter dem Titel "Freiheit in Deutschland". Portraitiert werden Menschen mit ihrem Bezug zur Freiheit in den unterschiedlichsten Bereichen unserer Gesellschaft. Wir stellen stets die gleiche Frage, weil wir an den unterschiedlichen Antworten interessiert sind: Wie frei ist unsere Gesellschaft? Wie frei ist die Kunst, die Bildung, die Wirtschaft, wie frei fühlen sich Menschen unterschiedlichster Lebenssituationen in unserer Gesellschaft? Wie frei ist Europa und wie frei ist unser Wort wirklich noch?

Wir - in Deutschland - sind, was die Chancen und den Luxus der Freiheit angeht, verwöhnt. Nach dem Krieg und der Besatzungszeit schien die Freiheit ein sich selbst verstärkendes Element unserer Gesellschaft zu sein: In den 50er Jahren kam zunächst die wirtschaftliche Freiheit mit dem Aufschwung, in den 60er und 70er Jahren wurden gesellschaftliche Tabus gebrochen, die sexuelle Freiheit wurde durchgesetzt und die Freiheit als demokratischer Wert in Form der 68er wurde auf der Straße tagtäglich erprobt. Freiheit entwickelte sich - so wie es das Grundgesetz vorsah - zum basisfundamentalen Bestandteil unserer Gesellschaft. Doch die Nachkriegsgenerationen waren und sind sich der glückvollen Situation kaum noch bewusst: Freiheit wird immer weniger als gesellschaftlicher Wert denn individueller Besitz hingenommen.

Bernard Shaw sagt zu Recht, "Freiheit bedeutet Verantwortung". Sie ist individuelle Chance und gemeinschaftliche Pflicht zugleich. Sie beschreibt eine Haltung des Menschen ebenso wie der Gesellschaft. Als Gesellschaft haben wir das scheinbar vergessen. Wir sehen oftmals nur noch die eine Seite der Medaille, die individuell gewinnbringende, die, die uns nichts kostet, nichts abverlangt. Dass wir für die Chance in Freiheit leben zu können etwas geben müssen, gesellschaftlich Verantwortung übernehmen und den Wert "Freiheit" sorgsam als solchen behandeln müssen, das alles ist vielen unabhängig von ihrem finanziellen oder gesellschaftlichen Status nicht mehr bewusst. Der Wohlstand, ob materiell oder der abstrakt-freiheitliche, hat unserer Gesellschaft der Wertschätzung eines Wertes beraubt.

Durch soziale Verunsicherung, Zukunftsangst, beschnittene Freiheiten und Veränderungen der Wertmuster der Gesellschaft steht unser grundlegendster Wert, als Idee der Aufklärung, zur Disposition. Es ist ein Zeitpunkt der Zäsur, eine neuerliche Definition von gesellschaftlicher Freiheit ist aufgrund unser fundamentalen Probleme unerlässlich. Wie frei sind wir noch? Was ist an individueller Freiheit notwendig, um gesellschaftliche Freiheit zu stärken? Ist mehr gesellschaftliche Freiheit ein Mittel gegen den Reformstau? Oder brauchen wir angesichts der tragischen Situation der Solidargemeinschaft in Deutschland vielleicht sogar einen partiellen Verzicht auf individuelle Freiheiten?

Veränderungsfähigkeit und Zukunftsoptimismus unserer Gesellschaft basieren auf der Wertschätzung der Freiheit und ihrer individuellen Wahrnehmung durch den Menschen selbst. Das Maß, wie wir Freiheit bemessen und bewerten, hat sich verändert. Was umfasst Freiheit heute? Wie können wir gewährleisten, dass er uns nicht verloren geht und welche Verbindung besteht zwischen individueller und gesellschaftlicher Freiheit? Diese Fragen sollen im Mittelpunkt dieser Reihe stehen: Menschen erzählen, wie sie heute die Freiheit in Deutschland wahrnehmen - als Wert für sich und die Gesellschaft.

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