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Generation 1.0 - Kommentar zum Tod von Graf Lambsdorff

Kommentar von Klaus Welzel von der Rhein-Neckar-Zeitung au Heidelberg.

Erst wenn einer geht, kann man ihn richtig einordnen. Denn erst dann weiß man ja, was fehlt. Durch den Tod von Otto Graf Lambsdorff fehlt ein Politiker, der kühl, analytisch, jenseits des populistischen Tagesgeschäfts die Dinge beim Namen nennt. Einer, der Überzeugungen vermittelt und nicht nur Sprechblasen. Helmut Schmidt erfüllt die gleiche Aufgabe für die SPD, möglicherweise tut dies auch Heiner Geißler für die CDU. Alle drei gehören - um es in der Zählweise des Computerzeitalters auszudrücken - zur Politikergeneration 1.0. Sie sind oder waren Originale, Prototypen einer jungen Republik, auf den Ruinen des Nazi-Reiches eine marktwirtschaftlich organisierte Demokratie mitaufbauten und festigten. Lambsdorff hat auch entscheidend zur Verengung des liberalen Profils beigetragen. Ohne seinen Marktradikalismus wäre Westerwelles Steuersenkungswahlkampf nicht denkbar gewesen. Auch die "natürliche" Anziehungskraft, die die Union auf die FDP ausübt, wurde von Lambsdorff wiederbelebt. Welche Energie in Lambsdorff steckte, das machte zum einen die Wende klar, zum anderen aber auch seine zweite Parteikarriere nach dem Flick-Skandal. Der hat ihm zwar eine saftige Strafe, aber nicht den politischen Ruin gebracht. Der "Marktgraf" ist stets streitbar geblieben. Ein "homo politicus" mit all seinen Nach-, aber auch Vorteilen.

(Textquelle: Rhein-Neckar-Zeitung.de;
Bildquelle: Werner Hoyer.de)

Die FAZ schreibt:
Zum Tode von Otto Graf Lambsdorff
"Ordnung aus Freiheitsliebe"

DER SPIEGEL schreibt:
"Abschied vom gelben Grafen"

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